7. Oktober 2015 jer

Bischofssynode in Rom

Abt Jeremias Schröder OSB, Abtpräses unserer Kongregation, nimmt derzeit an der Bischofssynode teil, die im Vatikan zum Thema der Sendung der Familie stattfindet. Er ist einer der zehn Ordensoberen, die von der Vereinigung der Generaloberen (USG) gewählt wurden. Seinen Blog zur Synode finden Sie auf katholisch.de.

Am 6. Oktober hielt er im Plenum diese Drei-Minuten-Ansprache (übersetzt aus dem italienischen Original)

Heiliger Vater, lieber Brüder und Schwestern,

Mein Beitrag bezieht sich auf die Nr 28 [des Instrumentum Laboris] – Herausforderungen in einer globalisierten Welt.

Vor vier Wochen war ich in China. Dort habe ich mit Priestern und Diözesanverantwortlichen über diese Synode gesprochen. Sie haben mir erzählt, dass sie bedauern, dass aus Festlandschina an niemand an dieser Synode teilnehmen kann, deren Thema auch dort von größter Bedeutung ist. Was die Lage der Familien angeht, so haben sie mir erzählt, ist dies das größte Problem: in einer Kultur, in der die Autorität der Eltern noch derart groß ist, werden viele Ehen ohne innere Freiheit geschlossen. Dadurch entsteht viel Leid.

Am Tag nach meiner Rückkehr haben Sie, Heiliger Vater, das Motu Proprio “Mitis Judex Dominus Jesus” veröffentlich [mit dem Verfahren zur Eheannullierung vereinfacht worden sind] – eine echte Antwort und Lösung für die chinesische Situation. Ich erlaube mir, Ihnen im Namen so vieler für diese prophetische und barmherzige Tat zu danken.

Ich habe hier jetzt nicht die Zeit, um über die Situation in meiner Heimat Deutschland zu sprechen, wo viele hoffen, dass ein Weg für diejenigen gefunden werden kann, deren Ehe gescheitert ist und die jetzt in einer zweiten stabilen Beziehung mit Kindern leben, um ihnen eine Rückkehr zur Fülle des christlichen sakramentalen Lebens auch nach so einem Scheitern zu ermöglichen.

Ich werde jetzt auch nicht von Ostafrika sprechen, wo ein großer Teil meiner Mitbrüder wirkt, und wo es den Wunsch gibt, die Paare auf einem längeren Weg mit mehreren Etappen zum Ziel der guten christlichen Ehe führen zu können.

Ich möchte nur noch dies sagen: Aufgrund dieser so unterschiedlichen Situationen denke ich, dass diese Synode vielleicht nicht nach allgemeinverbindliche Lösungen suchen sollte, sondern eher Raum geben sollte für regionale, nationale oder kontinentale Lösungen dieser so verschiedenen Herausforderungen.

Am 10. Oktober hat er in der freien Aussprache von 18.00-19.00 Uhr diese spontane Wortmeldung eingebracht:

Heiliger Vater, liebe Brüder und Schwestern,

Hier meldet sich ein Benediktinermönch zu Wort, also ein Angehöriger des Ordens, in dem wie bei Elefanten die historische Erinnerung gepflegt wird.

Diesen spontanen Beitrag mache ich auf Anregung von Kardinal Nichols, der gestern vom seligen John Henry Newman gesprochen hat, dem wir ja den Begriff von der „Entwicklung der katholischen Doktrin“ verdanken. In gewisser Weise möchte ich auch auf diejenigen antworten, die heute Vormittag von der konstanten zweitausendjährigen Tradition der Kirche und dergleichen gesprochen haben.

Unser Instrumentum Laboris ist recht lückenhaft, wenn es um die historische Entwicklung der kirchlichen Praxis geht. Da ist die Rede von der Schöpfung, von der mosaischen Gesetzgebung und von der Lehre Jesu. Aber es fehlt völlig der Weg der Kirche, die jahrhundertlang über die Ehe nachgedacht hat, mit zum Teil drastischen Wendungen.

Ich möchte ein Beispiel anführen, nämlich das Konzil von Nicäa (325), in dessen Kanon VIII es heißt:

Was die sogenannten Kataroi angeht, das heißt die Reinen: wenn sie sich der katholischen und apostolischen Kirche annähern wollen, so legt dieses heilige und große Konzil fest, dass sie, nach Auflegung der Hände, ohne weiteres Kleriker bleiben können. Sie müssen zuvor aber öffentlich und schriftlich erklären, dass sie die Lehre der katholischen Kirche annehmen, das heißt, dass sie Gemeinschaft (Kommunion) halten mit denen, die zum zweiten Mal verheiratet sind, und mit denen, die während der Verfolgung versagt haben …..

Man müßte dies sicher vertiefen, wozu ich hier aber nicht in der Lage bin. Aber ich möchte noch diese Bemerkung hinzufügen: Wir reden in dieser Synode viel von ewiger Wahrheit. Aber es gibt auch eine geschichtliche Wahrheit. Die ist nicht einfach, und auch nicht simpel. Aber man muss sie doch auch respektieren. Und von Zeit zu Zeit, wenn durch die reine Theorie Türen verschlossen werden, kann das Studium der Geschichte vielleicht auch neue Öffnungen aufzeigen.